Vorschau Halbfinale: Hamburg in allen vier Spielen am Samstag beteiligt

Wer holt sich den 76. Titel bei den Damen und wer die 79. Meisterschaft der Herren? Das sind die großen Fragen vor dem Final4 in Bonn, wo sich die vier besten Mannschaften der Damen und der Herren auf der Anlage des Bonner THV zur Endrunde um die Deutsche Feldmeisterschaft 2022 einfinden. Für alle steht zunächst ein schweres Halbfinale bevor.

Die acht Teilnehmer des Final4 haben sich im Viertelfinal-Play-off gegen Konkurrenten aus der Bundesliga durchgesetzt. Der nächste Schritt zum Meisterpokal ist nun das Überstehen der Halbfinalrunde. Interessant: In jedem der vier Vorschlussrunden-K.o.-Spiele am Samstag wird ein Team aus Hamburg vertreten sein. Den Mannschaften aus der Hansestadt gegenüber stehen zwei Teams aus dem Westen und zwei Mannheimer Mannschaften. Möglich ist bei dieser Konstellation für den Sonntag alles – vom rein Hamburger Doppelfinale bis zum zweifachen Endspielduell zwischen Mannheim und dem Westen.

 

Erstmals in der noch nicht so langen Geschichte der gemeinsamen Feldendrunde finden in Bonn die Spiele der Herren vor jenen der Damen statt. Deshalb beginnt der Halbfinaltag mit der Herrenpartie zwischen Rot-Weiss Köln und dem Harvestehuder THC (11.45 Uhr). Titelverteidiger Köln hatte mit zwei Siegen den UHC Hamburg im Viertelfinale ausgeschaltet, der HTHC musste gegen den Club an der Alster über die volle Distanz von drei Spielen gehen, ehe auch seine Qualifikation für Bonn feststand. In der Ligaphase waren sich Köln und Harvestehude zu einem sehr früh Saisonzeitpunkt begegnet: Am 26. September 2021 schlug Rot-Weiss auf heimischer Anlage die Gäste aus dem Norden mit 5:2. Auch die jüngsten Duelle in einem DM-Halbfinale brachten stets einen Kölner Sieg über Harvestehude: 2016 mit 4:2, 2017 mit 4:3 und 2018 gar mit 8:2. Die Fortsetzung dieser Serie wäre keine Überraschung, doch chancenlos ist der HTHC keineswegs.

"Die Mannschaft ist extrem gut drauf und möchte unsere Erfolgsgeschichte krönen."
Matthias Witthaus, Trainer Hamburger Polo Club

Im zweiten Herren-Halbfinale zwischen dem Mannheimer HC und dem Hamburger Polo Club (14 Uhr) treffen die beiden erfolgreichsten Torschützen der Saison aufeinander. Gonzalo Peillat traf in 16 Ligaspielen 31 Mal für den MHC, Kane Russell tat dies 29 Mal für die Hanseaten. Die beiden Strafeckenspezialisten sorgten maßgeblich dafür, dass ihre Teams mit 70 (MHC) und 69 (Polo) Toren die beiden offensivstärksten Erstligisten der Saison waren. Fast folgerichtig fielen auch im direkten Aufeinandertreffen in der Ligaphase reichlich Tore: Am 26. September entführte Polo mit einem 4:3 die Punkte aus Mannheim. Nicht nur dieser Erfolg macht den Hamburger Endrundenneuling selbstbewusst. „Wir können und wollen natürlich ins Endspiel einziehen. Wir gehen gestärkt ins Halbfinale, da wir die beste Rückrundenmannschaft sind, in Mannheim nach einem 1:3-Rückstand noch 4:3 gewinnen und Mülheim im Viertelfinale nach einem 0:1-Serienrückstand noch ausschalten konnten. Die Mannschaft ist extrem gut drauf und möchte unsere Erfolgsgeschichte krönen“, sagt Polo-Trainer Matthias Witthaus, der als Spieler selber lange das MHC-Trikot getragen hat und um die Stärken des Gegners weiß: „Mannheim hat eine hervorragende Truppe, die ganz schwer zu schlagen ist. Der MHC tritt sehr geschlossen auf und ist das offensiv-stärkste Team zusammen mit uns.“ Letztlich spricht nur die größere Erfahrung für Mannheim, das im Viertelfinale den Berliner HC mit zwei Siegen ausgeschaltet hatte, in einem auf Augenhöhe zu erwartenden Duell.

"Ich denke, durch unsere Erfahrung sind wir ein wenig in der Favoritenrolle. Wenn wir unsere Qualität auch abrufen, sind wir zuversichtlich, ins Endspiel einzuziehen."
Nicklas Benecke, Trainer Mannheimer HC Damen

Mit der dritten Partie des Tages (16.15 Uhr) kommen die Damen ins Spiel. Der Mannheimer HC und der Harvestehuder THC ermitteln den ersten Finalteilnehmer auf weiblicher Seite. Begegnet sind sich beide Teams in der laufenden Saison zwei Mal. Gleich am ersten Spieltag am 5. September gab es einen 2:0-Erfolg des MHC in Hamburg, und auch in der Rückrunde setzte sich Mannheim am 30. April mit dem 3:1 auf eigener Anlage durch. „Ich denke, durch unsere Erfahrung sind wir ein wenig in der Favoritenrolle. Wenn wir unsere Qualität auch abrufen, sind wir zuversichtlich, ins Endspiel einzuziehen“, gibt sich MHC-Trainer Nicklas Benecke selbstbewusst. Das verlorene zweite Spiel in der Viertelfinalserie gegen den Münchner SC dürfte für Benecke ein Warnschuss zur rechten Zeit gewesen sein, dass man nicht schludern darf. Die Rolle des Außenseiters nimmt HTHC-Trainer Paul Pongs insofern an, als seine Mannschaft als erstmaliger Final4-Teilnehmer nicht die Erfahrung eines MHC vorweisen kann. Doch das soll die Hamburgerinnen allerdings nicht daran hindern, sich ihren Traum vom Endspiel zu erfüllen. „Am Sonntag auf dem Platz die Nationalhymne hören zu dürfen, wäre was Tolles. Und dafür werden wir unseren Spirit und unsere ganze Leidenschaft einsetzen“, verspricht Pongs. Am Halbfinalgegner schätzt der HTHC-Coach besonders die „sehr gute argentinische Mittelachse“, die aus einer qualitativ starken Mannschaft noch herausrage. Beim MHC wiederum hat man höchsten Respekt vor den Strafecken von Laura Saenger, außerdem betont Nicklas Benecke den „ganz starken Zusammenhalt“ der HTHC-Truppe, die „mittlerweile ein super Mix aus erfahrenen Kräften und jungen Wilden“ bilde.   

„Am Sonntag auf dem Platz die Nationalhymne hören zu dürfen, wäre was Tolles. Und dafür werden wir unseren Spirit und unsere ganze Leidenschaft einsetzen."
Paul Pongs, Trainer Harvestehuder THC Damen

Das zweite Damen-Halbfinale zwischen dem Düsseldorfer HC und dem Club an der Alster (18.30 Uhr) ist die einzige Paarung, die es auch beim Final4 des Vorjahres schon gab (Foto). Damals musste nach torlosen 60 Minuten das Shoot-out entscheiden, wo sich Düsseldorf durchsetzte und dann ja auch mit einem weiteren Triumph im Penaltyschießen (gegen Mannheim) seinen ersten Feld-DM-Titel holte. „Die Spiele zwischen DHC und CadA waren in den letzten Jahren gänzlich offen und wurden durch Kleinigkeiten und oft erst im Shoot-out entschieden“, sagt DHC-Trainer Nico Sussenburger, der sich dennoch optimistisch gibt: „Unsere aktuelle Form und ein kompletter Kader machen uns auf jeden Fall sehr zuversichtlich, auch am Sonntag noch spielen zu dürfen.“ Ihre einzige Begegnung in der laufenden Runde gab es zu einem frühen Saisonstadium. Am 19. September trennte man sich in Hamburg 2:2-Unentschieden. Im Gleichschrift absolvierten beide auch das Viertelfinale: Düsseldorf setzte sich mit zwei Siegen über den Berliner HC durch, Alster schaltete Nachbar UHC ebenfalls in zwei Partien aus. Das Hamburger Team, laut Sussenburger „eine starke Pressing-Mannschaft, stabil im Spielaufbau und stark bei Ecken“, wird alles daran setzen, ihrem nach 23 Jahren als dienstältester Bundesligatrainer ausscheidenden Chefcoach Jens George einen gebührenden Abschied zu bescheren. Aber vor einem blauen Wimpel steht für Alster erst einmal eine Halbfinalhürde, die nicht höher sein könnte.

„Unsere aktuelle Form und ein kompletter Kader machen uns auf jeden Fall sehr zuversichtlich, auch am Sonntag noch spielen zu dürfen.“
Nico Sussenburger, Trainer Düsseldorfer HC

Während für die beiden Verlierer der Damen-Halbfinals das Final4 in Bonn schon am Samstagabend Geschichte ist, geht es für alle anderen sechs Teams am Sonntag weiter. Die zwei Unterlegenen des Herren-Halbfinals bestreiten um 11.30 Uhr das Entscheidungsspiel um den dritten deutschen Startplatz in der Euro Hockey League 2022/23 (auf weiblicher Seite gibt es diese Notwendigkeit nicht, weil sich derzeit nur die beiden Damen-DM-Finalisten für die europäischen Wettbewerbe qualifizieren).

Anschließend dann die Höhepunkte der Bonner Veranstaltung: das Endspiel um den 79. Feld-DM-Titel der Herren (13.45 Uhr) und um den 76. Feld-DM-Titel der Damen (16.30 Uhr).

Foto: HOCKEYLIGA e.V. / D.Markgraf

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