Interview nach den Volvo E.R.B. Final4 mit Liga-Geschäftsführer Victor vom Kolke

Am letzten Januar-Wochenende veranstaltete der neue Liga-Verbund erstmals in Eigenverantwortung eine deutsche Endrunde im Castello in Düsseldorf. Geschäftsführer Victor vom Kolke zieht im Interview mit hockey.de-Chefredakteur Christoph Plass ein insgesamt positives Fazit und geht dabei auch auf vereinzelte Kritik ein.

Zufrieden, trotz Pandemie-Problematiken.
Victor vom Kolke

Es war in Düsseldorf die Premieren-Endrunde für Dich als Geschäftsführer des neuen Liga-Verbands. Dass da unter Pandemiebedingungen nicht gleich alles klappen kann, ist klar. Aber wie zufrieden bist Du denn wirklich?

Victor vom Kolke: „Dass wir in Corona-Zeiten überhaupt die Möglichkeit hatten, eine Endrunde auszutragen, war gewiss keine Selbstverständlichkeit und Verdienst aller Vereine. Als wir im November die Möglichkeiten durchgespielt haben, standen die Sterne noch deutlich schlechter. Ich denke, dass diejenigen, welche die Volvo E.R.B. Final4 vor Ort oder medial erlebt haben, auch gesehen haben, dass es trotz der widrigen Umstände eine äußerst attraktive Endrunde war.“

Was sind die Dinge, mit denen Du besonders zufrieden bist, wo siehst Du Luft nach oben?

Victor vom Kolke: „Das mediale Setup war aus meiner Sicht richtig gut. Eine solche Crossmedialität, mit Streaming bei Sportschau.de, in der ARD-Mediathek und Twitch sowie Nachverwertungen unter anderem im ARD-Morgenmagazin, hat es so noch nicht gegeben. Für uns alle ärgerlich war die Kartenverteilungsthematik. Beim Ticketing hat uns die die Pandemie und die damit einhergehenden behördlichen Bestimmungen Problematiken reingebracht, die ich gern vermieden hätte und zum jeweiligen Zeitpunkt schwer zu handeln waren.“

Da gab es sehr viel Unmut bei den Clubs, weil angeblich im Vorfeld jedem Teilnehmer eine gewisse Anzahl an Karten zugesagt wurde, aber sie am Ende kaum eine Handvoll bekommen haben...

Victor vom Kolke: „Ja, so war es geplant. Dennoch bin ich ganz froh, auch hier bestmögliche Transparenz zu schaffen. Wir sind zu Beginn der Projektierungs-Phase von 2.600 Zuschauern ausgegangen, als wir den Vorverkauf gestartet haben. Diese Kapazität wurde Mitte Dezember schon auf 1.600 reduziert und Anfang Januar – also lange nach Vorverkaufsstart - noch einmal auf die am Ende übrig gebliebenen 750 erlaubten Zuschauer. Zu dem Zeitpunkt hatten wir aber schon über 500 Tickets - vorrangig an Club-Anhänger - verkauft, so dass wir dann die Kontingente für die Vereine einfach nicht mehr erfüllen konnten – was wir gern getan hätten. Diese Kette an nicht zu beeinflussenden Faktoren hätten wir nachträglich klarer durchkommunizieren sollen. Als positive Erkenntnis hieraus nehmen wir mit, dass das Interesse an einer solchen Endrunde derart groß ist, dass wir Arenen in dieser Größe problemlos ausverkaufen können.“

Größere mediale Verwertung bei Endrunden hat es ja nun aber schon oft gegeben. Bei der Innovation in Sachen Crossmedialität spielst Du auf die Livestreams auf zwei unterschiedlichen Plattformen an, oder?

Victor vom Kolke: „Richtig. Sportschau.de, ARD-Mediathek und Twitch bedienen weitestgehend unterschiedliche Zielgruppen. Die Marktforschung hat uns bestätigt, dass die Hockeycommunity im Medienkonsum heterogen ist. Durch die Sportschau-Kooperation mit der SportA konnten wir auch durch die Nachverwertungen eine klassisch analoge Reichweite erreichen, die man so über Twitch nicht hat. Über den Spontent-Kanal bei Twitch haben wir zusätzliche eine  jüngere, interaktivere Zielgruppe angesprochen, die man über Sportschau.de nicht bekommt.“

Es gab vereinzelt Kritik, dass mit gelben Bällen gespielt wurde, die auf dem hellblauen Belag schlecht zu sehen waren. Warum keine roten Bälle?

Victor vom Kolke: „Wir wollten uns bemühen, den Aktiven möglichst nahezu gleiche Rahmenbedingungen zu bieten, die sie unter der Saison auch vorfinden. Wir sind weg vom lange bei Endrunden verwendeten grünen Belag gegangen und haben nach vorherigem Praxis-Test den blauen Spielboden genutzt, der auch in Stuttgart schon mal ausprobiert wurde. Dann auch noch auf rote Bälle umzustellen, empfanden wir zu viel. Zumal ich denke, dass die meisten -Zuschauer an den Bildschirmen den Ball gut sehen konnten. Die vereinzelte Kritik hat auch viel mit den jeweils angewendeten Display-Einstellungen am Endgerät zuhause zu tun.“

Was sagst Du dazu, dass einige Zuschauer sich daran stoßen, dass das Thema Alkohol bei den Spontent-Beiträgen zu großen Raum bekommt?

Victor vom Kolke: „Ich bin da für einen Diskurs offen, wenn er ausgewogen ist. Wir müssen und sollten akzeptieren, dass eine Brauerei Sponsor bei Spontent oder auch anderen Medien-Plattformen ist, die auch nicht nur alkoholhaltige Getränke produziert. Und dieses Werbe-Thema haben wir doch, wirklich bei jeglicher medialer Sportberichterstattung heutzutage. Zudem fand ich die Thematik jetzt auch nicht überbordend. Und, wenn wir ehrlich sind, gehört der illustre Teil ja irgendwo auch zur DNA unserer erfolgsverwöhnten Sportart dazu.“

Schiedsrichter und Turnieroffizielle gehören noch in die Verantwortung des DHB. Da scheint die Zusammenarbeit aber sehr gut zu klappen, denn das wirkte ziemlich reibungslos...

Victor vom Kolke: „Ja, das stimmt. Und da gebührt Sonja Schwede, Andreas Knechten und Sebastian Schwidder, die das sportorganisatorisch gemeinsam verantwortet haben, auch ein großes Lob. Generell ist auf der Ebene die Zusammenarbeit – auch mit den DHB-Kollegen Christoph Menke und Niclas Thiel – sehr konstruktiv. Die Spielorganisation ist derzeit noch komplett am bestehenden „grünen“ System des DHB aufgehängt. Da planen wir gemeinsam mit dem DHB und dem Unternehmen Computer Rock - einer unserer Event-Partner - das auch bereits die neue Magazinseite des DHB entwickelt hat, das Aufsetzen eines neuen, deutlich benutzerfreundlichen Orga-Systems. In diesem Kontext werden dann auch immer mehr Zuständigkeiten in die Verantwortung unseres Managers für Spielorganisation Sebastian Schwidder gehen.“

Für Dich als Geschäftsführer des neuen Ligaverbundes ist sicher auch wichtig, ob die Endrunde ein finanzieller Erfolg war. War sie das?

Victor vom Kolke: „Erfolg hängt ja nicht ausschließlich von der betriebswirtschaftlichen Betrachtung ab. Ich denke, alle Endrunden-Besucher und die Aktiven würden den Erfolg des Volvo E.R.B. Final4 unterschreiben. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ich das tatsächlich nicht. Die Gründe liegen ja aber auch auf der Hand: Wenn man mit der Kalkulation von 2.600 Zuschauern startet und am Ende in einer Sportart wie Hockey, in der die Zuschauer- und Sponsoringeinnahmen im Vergleich zu medialen Entgelten eine sehr große Rolle spielen, bei 750 erlaubten Fans landet, ist ein finanzieller Erfolg nahezu unmöglich. Ich denke aber, dass dies nur ein singuläres Ergebnis ist. Immerhin konnten wir einige namhafte Sponsoren mit der Endrunde an den Sport heranführen.“

Neue Partner, wie die Deutsche Bahn, die die Teams zum und vom Endrundenort transportiert hat?

Victor vom Kolke: „Die Deutsche Bahn, aber auch Hella, Manufactum oder den LED-Hersteller Trialed. Und besonders dankbar sind wir – und das kann der DHB, denke ich, genauso unterschreiben – über das frühzeitige Commitment des Volvo E.R.B. Auto Zentrums. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass das Final4 kein ‚One-Hit-Wonder‘ bleibt und wir die Partner bis zur nächsten Endrunde vertrösten, sprich, wir Sie auch unterjährig an uns binden. Wichtig ist, dass wir zudem als Enabler den Vereinen bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen, die bei der Endrunde gezeigten Möglichkeiten auch bei den Bundesligaspielen anzustreben.“

Apropos, nächste Endrunde! Seht inzwischen fest, wo die Feld-Endrunde gespielt wird?

Victor vom Kolke: „Die Entscheidung fällt in den nächsten zwei, drei Wochen. Es hatten unterschiedliche Clubs ihr Interesse bekundet, aber aufgrund der pandemischen Lage wieder zurückgezogen. Wir prüfen derzeit attraktive Final4-Standorte , verkündungsreif sind wir noch nicht.“

Du bist vor vier Monaten von der Handball-Bundesliga GmbH zum neuen Hockeyliga e.V. gewechselt. Wieviel Handball-Erfahrung konntest Du denn in diese Endrunde einfließen lassen?

Victor vom Kolke: „Ich denke, dass ich in Zusammenarbeit mit Justin Gervelmeyer bei der medialen Verwertbarkeit, aber auch in der Absprache und im Handling mit den Teams Erfahrungen aus meiner Handball-Zeit einbringen konnte. Jedoch sehe ich mich hier nicht im Vordergrund. Wir haben mit unserem neuen Team, in dem auch Jule Killmer hervorragende Arbeit leistet, einen wirklich guten ersten Aufschlag hinbekommen und insbesondere den teilnehmenden Mannschaften auch im Hinblick auf die hygienischen Rahmenbedingungen eine optimale Endrunde ermöglicht. Explizit seien hier die zahlreichen Volunteers vom DHC und DSD zu wertschätzen, ohne die es auch perspektivisch unmöglich sein wird, eine Endrunde auszurichten. Vielen herzlichen Dank! “

Heißt das, Ihr werdet in Zukunft immer selbst die Final4-Turniere verantworten? Oder ist es auch weiter möglich, dass Clubs die Endrunden in Eigenregie organisieren?

Victor vom Kolke: „Die Frage kann und möchte ich jetzt noch gar nicht final beantworten. Bei diesem Final4-Turnier gab es keine andere Option, weil kein ausrichtender Verein aufgrund der wirtschaftlichen Ungewissheit zur Verfügung stand. Eigentlich ist die Liga-Organisation derzeit personell nur unzulänglich für die Endrunden-Organisation ausgestattet. Da drängen sich auf den ersten Blick eher andere Prioritäten auf, wenn man auf das schaut, was wir für und mit dem neu gegründeten Hockeyliga e.V. erreichen wollen. Wir wissen aber jetzt zumindest, dass wir es können – und das gibt uns Sicherheit für die gewiss folgende Weiterentwicklung zu Gunsten aller Clubs.“

Quelle: dhb / hockey.de



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