Vorschau Halbfinale: Die Titelverteidiger sind noch im Rennen

Die Titelverteidiger aus der Hallensaison 2019/20 sind noch dabei: Die Damen vom Club an der Alster Hamburg und die Herren von Rot-Weiss Köln können am Wochenende in Düsseldorf beim Volvo E.R.B. Final Four 2022 ihre Stellung als Deutsche Hallenhockeymeister behaupten. Aber die Konkurrenz ist natürlich genauso heiß auf den 60. nationalen Titel.

Damen

Bei den Damen haben sich zwei West-Teams und je ein Nord- und ein Süd-Vertreter für die DM-Endrunde qualifiziert. Wir blicken auf die Halbfinalspiele vor.

 

Club an der Alster Hamburg – Düsseldorfer HC

Die erste Halbfinalpaarung zwischen den aktuellen beiden deutschen Meistern Alster (Halle) und DHC (Feld) gab es in den zurückliegenden drei Hallenspielzeiten jeweils als Endspiel. 2018 und 2020 gewann Alster, 2019 ging der DHC als Sieger hervor. Beide Mannschaften sind in der laufenden Saison noch ungeschlagen. Die Hamburgerinnen mussten in der Gruppenphase bei neun Spielgewinnen lediglich ein einziges Unentschieden beim 5:5 gegen Harvestehude hinnehmen, Düsseldorf schloss die Ligaphase als einziger der 24 Damen-Erstligisten mit der Maximalpunktzahl von 30 Punkten ab. Während Alster im Viertelfinale beim 9:1 in eigener Halle gegen den Süd-Zweiten TSV Mannheim kaum wackelte, obwohl gleich drei Stammkräfte krank ausfielen (Kapitänin Viktoria Huse, Hanna Granitzki und Juliane Grashof), erreichte der DHC das Final-Four in der eigenen Stadt kampflos, weil Viertelfinalgegner Zehlendorfer Wespen wegen eines Coronaausbruchs in seinen Reihen absagen musste. DHC-Trainer Nicolai Sussenburger hätte „definitiv lieber ein K.o.-Spiel vor dem Final-Four gehabt“, wie er betonte.

Der Club an der Alster hat bislang fünf Hallen-DM-Titel errungen (2006, 08, 09, 18, 20), beim Düsseldorfer HC sind es zwei blaue Hallenwimpel (2015, 19). Erfolgreichste Saisontorschützinnen sind bei Alster (insgesamt 96 Ligatore, plus 9 im Viertelfinale) Hanna Valentin (21 in den BL-Spielen, eines im Viertelfinale), Lisa Altenburg (18+1) und Hannah Gablac (10+2), der DHC (85 Tore gesamt) hatte in Selin Oruz (18) Elisa Gräve (16) und Sara Strauss (12) seine besten Schützinnen. Der DHC hat mit nur 14 Gegentoren den besten Ligawert.  

 

Rot-Weiss Köln – Mannheimer HC

Die letzten Hallen-Duelle der beiden Teams des zweiten Halbfinalspiels liegen schon ein paar Jahre zurück. 2017 traf man sich im Viertelfinale. Der MHC setzte sich in eigener Halle im Shoot-out durch, auch ein Jahr zuvor hatten die Mannheimerinnen gegen Köln mit 2:1 die Nase vorn. Es war das DM-Halbfinale in Lübeck, wo der MHC schließlich Deutscher Meister wurde. In der aktuellen Saison kamen beide Teams nicht ohne Niederlagen aus. Köln verlor zweimal gegen den West-Pimus Düsseldorf, gewann aber sonst alle acht anderen Partien und wurde so souveräner Gruppenzweiter. Der MHC unterlag im ersten der beiden Stadtderbys gegen den TSV Mannheim und leistete sich neben sieben Siegen ansonsten noch ein 1:1-Unentschieden in München. Das reichte in der Summe hauchdünn zum Gewinn der Süd-Gruppe. Im Viertelfinale verspielte Mannheim gegen Harvestehude einen 3:0-Vorsprung, behielt dann aber im Shoot-out kühlen Kopf. Köln schaltete den Ost-Ersten Berliner HC auswärts mit 4:2 aus, war dabei „richtig weit entfernt von unserem besten Saisonspiel“, wie Rot-Weiss-Nationalspielerin Pia Maertens selbstkritisch einräumte. Für Köln wird es das erste Final-Four seit 2016.

Zwei Hallen-DM-Titel hat Rot-Weiss Köln bislang gewonnen: genau vor zehn Jahren (2012) und in der Anfangsphase der Deutschen Meisterschaften im Hallenhockey (1965). Für den Mannheimer HC steht der Titel 2016 als einziger Triumph zu Buche. Bei Köln verteilten sich die 65 Tore (61 in BL, 4 im Viertelfinale) des bisherigen Saisonverlaufs im Wesentlichen auf Pia Maertens (22+2), Sophie Prumbaum (11+1) und Katharina Hüls (7+1) als beste Schützinnen. Mannheim (47+3) hatte in Charlotte Gerstenhöfer (18), Nadine Kanler (6+1) und Isabella Schmidt (5+1) seine erfolgreichsten Schützinnen.

Herren

Bei den Herren besteht das Endrundenfeld der Hallen-DM erstmals seit 2009 wieder aus Vertretern aller vier Bundesliga-Gruppen.

 

Mannheimer HC – Rot-Weiss Köln

Gut zwei Stunden nach den Damen treffen die beiden Vereine auch im ersten Halbfinale der Herren aufeinander. Der Mannheimer HC fordert den amtierenden Doppelmeister (Feld/Halle) aus Köln. Das letzte Mal bei einer Hallen-Endrunde kam es 2017 in Endspiel zu diesem Duell. Dort ging Rot-Weiss als Sieger nach Shoot-out hervor, ähnlich knapp war es im DM-Viertelfinale 2020 (5:4), dem letzten Hallen-Aufeinandertreffen beider Seiten. Mannheim verlor in der aktuellen Saison nur die beiden Derbys gegen Nachbar TSVMH und konnte sich als Süd-Zweiter dann im Viertelfinale beim Nord-Ersten Club an der Alster auf dramatische Weise durchsetzen. Nach 5:5-Unentschieden vergaben im anschließenden Shoot-out beide Seiten Matchbälle, ehe nach 16 Versuchen schließlich der MHC das bessere Ende für sich hatte. Erstmals seit 2017 sind die Kurpfälzer damit wieder für die Endrunde qualifiziert. Rot-Weiss Köln verlor nur ein Ligaspiel (11:12 gegen Mülheim), nachdem der Gruppensieg im Westen bereits feststand. Souverän war auch der Auftritt im mit 11:2 gegen die Zehlendorfer Wespen gewonnenen Viertelfinale. Und da war noch „Luft nach oben“, wie der scheidende RW-Chefcoach André Henning (nach der Endrunde dann Herren-Bundestrainer) feststellte. Viele sehen den Titelverteidiger als größten Anwärter auf den Meisterwimpel. Trotzdem glaubt der MHC an seine Chance: „Wir trauen uns den Finaleinzug auf jeden Fall zu. Wir wissen, dass uns mit Köln ein riesengroßer Berg erwartet, den man erst einmal beiseiteschieben muss“, sagte Torwart Jean Danneberg nach dem Coup in Hamburg.

Der Mannheimer HC holte den Hallenmeistertitel 2010. Diesem singulären Erergnis stehen gleich elf gewonnene Meisterschaften (Bestwert!) von Rot-Weiss Köln gegenüber: 1974, 78, 86, 89, 92, 93, 95, 2009, 12, 17 und 20. Auf 86 Tore (81 in der Liga, 5 im Viertelfinale) kam der MHC, wo Paul Zmyslony (24+2), Luis Holste und Raphael Hartkopf (beide 17+1) die erfolgreichsten Schützen waren. Köln traf 125 Mal (114+11) und hat in Christopher Rühr (37+3), Florian Pelzner (14+3), Elian Mazkour (12+2) und Mats Grambusch (14) seine treffsichersten Spieler.

 

Berliner HC – Harvestehuder THC

Vor acht Jahren standen sich die beiden Herrenteams des zweiten Halbfinales zuletzt in der Halle gegenüber. Im DM-Viertelfinale schlug der Berliner HC den Harvestehuder THC mit 13:9. In der aktuellen Saison ist der BHC zumindest den Zahlen nach die stärkste deutsche Herrenmannschaft in der Hallen-Bundesliga: Nur die Hauptstädter gewannen sämtliche elf bisherigen Spiele, haben auch die meisten Tore aller 24 Erstligisten geschossen. Im Viertelfinale gelang dem Ost-Ersten mit dem 14:10 gegen den West-Zweiten Uhlenhorst Mülheim ein spektakulärer Erfolg. Der HTHC musste sich in der Nord-Gruppe erst im letzten Spiel dem Club an der Alster beugen, es folgte ein starker Auftritt beim TSV Mannheim, wo Harvestehude dem Südmeister mit 8:7 die erste Saisonniederlage beifügte. HTHC-Trainer Christoph Bechmann war nach dem Sieg im Viertelfinale erst einmal „glücklich, nach fünf Jahren mal wieder bei einer Endrunde dabei zu sein“. Die Ansprüche, dort auch etwas mitnehmen zu wollen, formulierte BHC-Chofcoach Rein van Eijk nach der Qualifikation sehr offensiv: „Das Ziel ist ganz klar: Wir wollen das letzte Spiel der Liga gewinnen.“ Der Niederländer hatte sein Team in der letzten Hallensaison 2019/20 ins Endspiel geführt und trotz oder gerade wegen der Niederlage (6:7 gegen Köln) nach eigenen Worten „Blut geleckt“, nun den letzten Schritt gehen zu wollen.

Fünfmal Hallenmeister ist der Berliner HC bereits geworden, doch die Erfolge liegen lange zurück: 1962, 63, 65, 70 und 75. Deutlich mehr in der Gegenwart liegen die vier Titel des Harvestehuder THC: 1994, 96, 2013 und 15. Die 139 Saisontore (Liga 125, Viertelfinale 14) des BHC gingen vor allem auf Jonas Gomoll (23+2), Tim Strüven (14+1), Marian Klink (11+2) und Paul Dösch (9+4) als erfolgreichste Schützen zurück. Beim HTHC trugen zu den 99 Saisontoren (90+9) vor allem Michael Körper (27+2), Tobias Hauke (12+3) und Fülöp Loscani (12+1) als beste Schützen bei.

Foto: HOCKEYLIGA e.V. / H. Kramhöller



© Hockey Bundesliga